Oschütztal - Viadukt

Eine ingenieurtechnische Meisterleistung





Ein Streit der preußischen und sächsischen Staatsbahn führte Ende des vergangenen Jahrhunderts zur Entstehung einer eingleisigen Eisenbahnlinie über das Tal des Oschützbaches. Ziel war, die Strecke über Weida-Altstadt nach Mehltheuer an den Gemeinschaftsbahnhof Weida anzubinden.
Historische Aufnahme einer Zugüberfahrt über den Viadukt
Dieser "Hauptbahnhof" wurde von der preußischen Eisenbahn verwaltet, hatte jedoch einen sächsischen Teil, da die sächsische Staatsbahn die Strecke Weida - Werdau betrieb. Die Preußen wollten die Strecke nach Mehltheuer über den geschütteten Bahndamm führen und in ihren Teil des Bahnhofs einmünden lassen. Da dieser geschüttete Damm des öfteren ins Rutschen geriet, entschieden sich die Sachsen zum Bau eines Viaduktes über das Oschütztal.
Die Strecke mündete in einem Bogen in den sächsischen Teil des Weidaer Bahnhofs ein.
Mit der Leitung der Bauarbeiten wurde der Geheime Finanzrat Köpcke beauftragt.
Ingenieur Krüger projektierte die Gitterbrücke auf pendelnden Pfeilern. Die Pendelstützen sind gelenkig angeordnet, so daß sie Schwankungen beim Befahren der Brücke oder bei Temperaturänderungen ausgleichen können.
Eine Pendelstützenbrücke dieser Größenordnung - 185 m lang und 28 m hoch - wurde zur damaligen Zeit erstmals in Deutschland errichtet.
Erbaut 1884 - Bild im Groß
Es war die Zeit, als ein gewisser Eiffel in Paris einen Turm baute, dessen Gitterkonstruktion Ingenieur Krüger inspiriert haben muß.
Am 1. Oktober 1894 war das ingenieurtechnische Meisterwerk fertig.
Fast 100 Jahre lang rollten Züge über den Viadukt. Die ständig gestiegenen Lasten machten zunächst den Einbau eines Mittelträgers in sämtlichen Überbauten und das Anbringen von zusätzlichen Aussteifungen in die Pendelstützen erforderlich. Das war schon 1915. Trotzdem war bald die Grenznutzungsdauer erreicht.
Viadukt quer
Am 22.September 1983 fuhr der letzte planmäßige Personenzug über den Viadukt.
Die neuverlegte Strecke führt am Bahnkörper der Linie Weida - Saalfeld entlang und bindet hinter dem Viadukt in die Strecke Werdau - Weida - Mehltheuer ein.
Heute hat der Viadukt als Schienenverkehrsanbindung längst ausgedient. Da er aber eines der bedeutendsten Brückenbauwerke dieser Art in Deutschland ist, wurde der Oschütztal-Viadukt als Technisches Denkmal unter Schutz gestellt.
Im Ortsbild der Stadt Weida dominiert dieses Industriedenkmal, das auch von verkehrsgeschichtlicher Bedeutung für das Land ist. Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zu dem Ergebnis kommt, daß eine Sanierung ca. 1,75 Millionen Euro kosten würde. Eine halbe Million würde der Abriß kosten.
Der Abriß steht jedoch überhaupt nicht zur Debatte, zumal laut Gutachten und letzter Hauptprüfung in den nächsten Jahren keine Gefährdung vorliegt. Der Viadukt ist noch zu retten ! Würde man die 1915 eingebauten Stützelemente beseitigen und die immer noch liegenden Bahngleise entfernen, würde die Gitterbrücke erheblich entlastet.
Bringt man dann einen leichten Deckenbelag auf, so könnte ein Fuß- und Radweg entstehen.
Viadukt von unten
Übrigens:

Ein Modell des Oschütztalviadukts steht schon seit vielen Jahren im Verkehrsmuseum in Dresden.
AUFRUF !
Aufgrund der Einmaligkeit dieses technischen Denkmals wollen die Weidaer alles zur Erhaltung des Oschütztalviaduktes tun. Zunächst geht es dabei um die Einflußnahme auf die Eigentümerin, die Deutsche Bahn AG.
Wer andere und bessere Ideen zur künftigen Nutzung hat oder die Initiative zur schrittweisen Sanierung ergreifen will, kann sich gern melden.





ANSPRECHPARTNER:
Bürgermeister Werner Beyer
Markt 1, 07570 Weida
Tel.: 036603/54 101
Fax: 036603/62 257

eMail: info@weida.de


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