Kuchen-Weide

Die Stadt Weida ist auch heute noch in weiten Teilen Thüringens unter dem Beinamen „Kuchenweide“ bekannt. Zur Entstehung dieser Bezeichnung, die oft spöttisch, vielfach auch achtungsvoll ausgesprochen wird, trug wohl wesentlich das jahrhunderte lange Bestehen der Weidaer Brotbank bei, die Reisende mit Brot, Semmeln und Kuchen versorgte. Die Brotbank war eines der charakteristischsten Häuser Weidas und Ende des 19. Jahrhunderts die einzige in ganz Thüringen.
Unter einer Brotbank versteht man die gemeinsame Verkaufsstätte der Bäckermeister einer Stadt. In Weida entstand sie etwa zur gleichen Zeit wie die Fleischbank, die im Jahre 1345 erstmals urkundlich genannt wird. Die Brotbank befand sich vor der heutigen Kirchbrücke, die die Altstadt mit der Neustadt verbindet, gehörte aber zur Neustadt. Diese zentrale Lage an der alten Handelsstraße ins obere Vogtland und nach Böhmen war für eine Verkaufsstätte äußerst günstig. Die Existenz einer Brotbank ermöglichte den Bäckern den schnelleren Absatz der Waren und erleichterte dem Stadtrat die bessere Verkaufskontrolle. Das Brotbankgebäude war Eigentum des Amtes Weida, musste aber von den Bäckermeistern in seinem baulichen Zustand erhalten werden. In früheren Jahrhunderten wurde für die Benutzung der Brotbank kein Bankzins entrichtet, so dass aus dieser Zeit von ihr nichts überliefert ist.
Nach dem Weidaischen Amtsbuch von 1558 gab es in der hiesigen Brotbank zwölf Verkaufsstände, die lehn- und zinspflichtig waren, aber nur zehn kamen dieser Verpflichtung nach. In Weida durften sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nur zehn Bäckermeister niederlassen, also soviel, wie die Brotbank Verkaufsstände hatte. Dem Besitzer eines Verkaufsstandes in der Brotbank, einer so genannten Brotbank-Gerechtigkeit, standen besondere Rechte zu. Er hatte das Recht, eine bestimmte Menge an Broten, Semmeln und Kuchen in der Brotbank und außerdem auch in seinem Haus öffentlich zur Schau zu stellen und zu verkaufen.

Den Verkauf der Waren besorgte für ein Entgelt der Bäckerinnung ein „Bänkenmann“. Beim Kaufen trat der Käufer an den offenen Stand der Vorhalle heran, hinter dem sich die Fächer der einzelnen Bäcker befanden. Nun konnte er nach seinem Geschmack wählen. Wollte der Kunde bezahlen, so streckte der Bänkenmann einen langen Holzlöffel aus und nahm in diesem das Geld in Empfang.
Im Laufe ihres Bestehens ist das Brotbankgebäude mehrfach erneuert worden. So wurde sie in den Jahren 1634 und 1665 nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg wieder erbaut.
Sie war aus Fachwerk und hatte als Verkaufsstand nur einen hölzernen Vorbau.
Im Jahre 1844 wurde die Brotbank abgerissen. Ausschlaggebend für den Abriss war der Bau der Fernverkehrsstraße Gera - Weida - Greiz - Böhmen, denn das Gebäude lag vor der Brücke und verengte den Fahrweg. Die Weidaer Bäckermeister forderten den sofortigen Neubau und legten besonderen Wert auf die Beibehaltung des früheren Standortes. Das neue Gebäude war massiv gebaut und beherbergte gleichzeitig die Wohnung des Bänkenmannes. Es enthielt wieder zwölf Verkaufsstände. Die Tradition des offenen, überdachten Verkaufsstandes wurde auch hier beibehalten. Diese Brotbank war bis zum Jahre 1883 in Betrieb. Im Jahre 1887 wurde sie abgerissen und an ihrer Stelle ein Wohnhaus errichtet.
Weidaer Kuchen und Brot waren über die Jahrhunderte hinweg im weiten Umkreis berühmt, die Kunde von der Güte der Weidaer Backwaren wurde immer weiter in die Ferne getragen. So überdauerte der Begriff „Kuchen-Weide“ alle Zeiten.
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